warum die drei bären?

es gibt eine wortverwandschaft zu meinem namen, denn mein vorname bedeutet in altdeutscher mundart 'bearo hard', ein starker bär. (1)

japanisches Schriftzeichen für "Bär"dann hatte ich einmal einen starken medizintraum, in dem ich von 12 (!) bären in einem sakralen raum gehalten, getragen und geschützt werde.

dann gibt es die geschichte meines beruflichen selbstverständnisses im umgang mit klientInnen:

darin stellt der kleine und am besten konturierte bär die bedeutung und rolle unseres 'ich's dar. er ist klar abgegrenzt und gestalterisch in details bearbeitet. so, wie wir in der welt dastehen (wollen); was wir möchten, dass andere menschen von uns sehen und wie wir unsere (besten) seiten zutage bringen. das wort person stammt ab von lat. 'persona' (2) und bedeutete ursprünglich die maske eines schauspielers; heute verstehe ich darunter jene maske, die wir uns gegenüber der welt zulegen. manche von uns können diese maske auch wechseln, je nach dem ob sie sich in familiären-, beruflichen- oder heilungskontexten befinden.

'maske' bedeutet nicht, dass wir falsch oder maskenhaft sind, sondern bedeutet, dass wir uns in beziehung zu menschen und deren eigenheiten setzen und ein -in unserer einschätzung- angemessenes verhalten suchen. die maske eines psychotherapeuten ist dabei sicher anders als die eines mörders oder postangestellten. womit noch nicht geklärt wäre, inwieweit die benannten personen sich in der wahl ihrer jeweiligen maske auch frei fühlen, oder sich in eine bestimmte rolle gedrängt, oder aufgrund von familiären schicksalen zum tragen bestimmter masken verpflichtet fühlen.

der mittlere bär stellt dar, dass wir in unserer person immer aspekte beiseite schieben. anteile unserer person also, die wir für nicht angemessen in der aktuellen situation halten, anteile, von denen wir nicht glauben können, dass andere sie an uns mögen würden oder auch solche, die uns verboten- und durch weltbildpräger wie unsere eltern oder die religion als 'schlechte anteile' entfremdet worden sind. in der psychotherapeutischen arbeit gelingt es immer wieder herauszufinden, dass wir solche anteile von uns selbst gerne 'verdrängen' und dass sie uns in verwandelter form im leben wieder begegnen: klassiker sind dabei natürlich der 'nervige kollege', die 'böse stiefmutter' oder auch körperliche symptome, die nicht ausheilen wollen.

die kunst der psychotherapeutischen arbeit besteht nun darin, die verbindung zwischen diesen erscheinungen und unserem verdrängten selbstinhalt wieder herzustellen und zu einer neuentscheidung zu bringen. wenn wir mehr persönlichkeitsanteile integrieren, kriegen wir auch mehr energie, wir werden flexibler in unserem denken (ken wilber spricht vom aperspektivischen bewusstsein (3)) und es fällt uns leichter mit anderen menschen mitzufühlen.

der grosse bär nun bedeutet unser gesamtes menschliches potential. alles, was wir jemals sein könnten. unser potential ist in meinem verständnis immer grösser als das, was wir in der konsenswirklichkeit leben können. und dieses potential gibt unserem leben eine richtung, in die unser mensch-sein sich bewegt. so werden wir unabhängig von den - modeerscheinungen unterliegenden - empfehlungen der zeit und gewinnen selbst-bewusstsein darüber, wer wir eigentlich sind, wie wir gemeint waren, bevor wir geboren wurden und wo unser lebensweg hingehen kann.

am anfang der körperpsychotherapeutischen zusammenarbeit in meiner praxis werden wir uns auch damit befassen, was diese wesenseigenschaften für dich sein können. denn welche therapeutischen lösungen auch immer wir finden, sie sollten im einklang mit deinem wesen stehen.

(1) reclams namenbuch; stuttgart 1985
(2) duden, herkunftswörterbuch; mannheim 1989
(3) ken wilber; integrale psychologie;freiamt 2006