Bernhard Schlage Körperpsychotherapie

seitentitel

den himmel schauen – gekürzte version

publikation der gekürzten version des artikels: „den himmel schauen“ von 2007 im verbandmagazin der DGAM, ausgabe august 2012.

© Bernhard Schlage

den himmel schauen

oder: wie den teilnehmerInnen einer spirituellen reise zu den tempelplätzen des heilgottes asklepios in der griechischen ägäis ein blaues wunder widerfährt

das eigene auge spüren… nicht sehen… vielleicht dazu das auge schließen… aber nicht in gedanken abdriften… nicht bilder sehen, sondern das eigene auge spüren. den vergleich der grösse und festigkeit der eigenen augen mit den fingern auf dem geschlossenen lid ertasten oder in die schwarz-grau bis braun-orangene farbe hinter dem geschlossenen augenlid eintauchen… und darin weicher werden… so wandelt sich die farbige oberfläche vielleicht zu einem changieren von farben, die ineinander fliessen… nicht denken… nicht visualisieren*, sondern bei der blossen wahrnehmung der farbe bleiben und dann entdecken, dass sich eine räumliche tiefe entwickelt: sei es, dass die farben blasser oder dunkler werden, oder sich der herzschlag verändert** und bei diesen empfindungen verweilen***. es mag sein, dass es erscheint, als würde sich die dunkelheit hinter dem augenlid plötzlich drastisch vertiefen**** oder es erscheint so, als würde vor den augen ein weicher, weiter raum entstehen. bei manchen menschen entsteht daraus ein empfinden von weichheit der hornhaut des auges, als könnten sie durch das gewebe atmen. erstaunlicherweise lösen diese empfindungen von tiefe oder dunkelheit gleichermassen eine entspannung aus und angst davor, etwas wesentliches an struktur zu verlieren. doch bei einiger übung erweitern sich unsere visuellen fähigkeiten in diese neuen erfahrungsbereiche hinein und wir entspannen uns mehr und mehr.

wir befinden uns auf einer zwanzig meter langen segelyacht auf der überfahrt von kos nach kreta und auf dem meer ergibt sich eine weitere form des schauens: durch die weite des blickes bis zum horizont, verbunden mit den schaukelnden bewegungen des schiffes scheint sich etwas sehr tief in unserem schauen zu verändern. so ist der blick weniger auf ein objekt gerichtet. er wandert in der weite umher und nachdem der wunsch etwas festes anzusehen sich gelöst hat, nehmen wir mehr wahr..oder mit anderen worten: nehmen wir ‚meer‘ wahr: wir denken nicht mehr an das meer oder über das meer nach, sondern wir versinken ‚mehr und meer‘ in unseren sinnlichen wahrnehmungen: das auge folgt den andauernden sich verändernden wogen des wassers, gleitet über die wasseroberfläche und tastet das ewig sich wandelnde element ab. wir ’schauen‘ mal mit einem wandernden und gleitenden auge und mal mehr mit ruhigem blick, wobei dann das wasser vor den augen scheinbar fliessend werden kann. und dies vor allem wenn wir ‚achtern‘ sitzen und schauend der spur des bootes im wasser hinterher sehen.

weswegen blau-sein gleich entspannt-sein bedeutet

goethe*****beschreibt in seiner farbenlehre, dass das blau ‚uns nach sich hinzieht‘. wie ein sehnen. weswegen vermutlich im bereich der islamischen mystik mit dem blau stets seelische qualitäten wie das sehnen nach gotteserkenntnis verbunden worden sind*6. also blau. wenn wir eine brille mit blauen prismen-gläsern aufsetzen*7, bewirkt dies eine entspannung, eine verringerung von herzfrequenz und blutdruck und eine entkrampfung der skelettmuskeln. auch das sprichwort ‚einen tag blau machen‘ steht für solche form von entspannung. manche sind umgeben von dieser farbe auf unserer überfahrt einfach in einen leichten schlaf gefallen; das vor allem dann, wenn die entspannte achtsamkeit, also das wahrnehmen ohne auf ein objekt konzentriert zu sein noch gänzlich ungewohnt war. andere sind in einen zustand entspannter, intuitiver schau der welt- und selbsterfahrung geglitten, wie das sonst nur bei ausgedehnten meditationsübungen der fall ist.

ansonsten erscheinen brillen bei der im folgenden beschriebenen praxis eher hinderlich. das liegt wahrscheinlich an der optometrischen notwendigkeit, bei der brillenglasherstellung lediglich einen punkt in der glasmitte als den ort des schärfsten sehens zu erschaffen. diese focussierung verhindert die erweiterung des sehens ebenso, wie die physikalische realität des brillenglases zwischen auge und welt den prozess des sehen-fühlens zu erschweren scheint.

aus der metereologie*8 wissen wir, dass die blaue farbe des himmels nur bis in höhen, in denen heute langstreckenflugzeuge verkehren sichtbar ist. in den obersten blauen himmelsbereichen ist die dämmerung nicht mehr zu sehen und es entsteht der eindruck, die sonne würde ewig scheinen. im glauben der sibirischen bewohnerInnen des altai*9 formen sich in diesem ‚blauen, reinen himmel, ‚kök-ajas tengeri‘ genannt, aus den umfassenden kosmischen kräften die verschiedenen seelen der menschen. interessanter weise belegt dieser volksglaube bereits acht verschiedene atmosphärische schichten. und das lange bevor die metereologie mit hilfe von freiballons und später der luftfahrt das system der heute gültigen sieben verschiedenen schichten der atmosphäre entwickelt hat. können wir also möglicherweise diese verschiedenen himmelsbereiche auch spürend erkennen?

wer kann unendlichkeit fühlen?

goethe meinte in seiner ‚witterungslehre’*10, dass menschen mit ‚kränklicher natur‘ oder ‚höherer bildung‘ zu dieser sichtweise des himmels nicht in der lage seien. der amerikanische wissenschaftler deMeo, der sich in den achtziger jahren mit der künstlichen erzeugung von regen befasst hat, beschrieb etwas ausführlicher, welche persönlichen fähigkeiten den interessierten zu einem fühlenden forscher des himmels machen: z.b. ‚tiefe, volle atmung, emotionale ausdrucksfähigkeit, spontaner respekt vor der natur, unterscheidungsfähigkeit zwischen atmosphärischer stagnation und erregung.’*11 reinhold messner dagegen beschreibt diese wahrnehmung als allgemein menschliche möglichkeit: ‚der raum um uns ist überall unendlich, nur werden wir uns dessen nicht allerorten bewusst. ein klarer sternenhimmel über einem freilager im gebirge, oder der blick von einem alpengipfel in die runde, der ferne horizont auf dem tibetischen hochland genügen, um diese tiefe des raumes zu erfahren.’*12 nur eben, dass wir uns auf dem meer befinden.

wir erinnern uns an das weiter oben ’schauen‘ genannte fühlen der räumlichen weite mit geschlossenen augen und wenden dieselbe wahrnehmung jetzt beim blick in den himmel an. wir schauen also in dieses weite blau und fühlen dabei in den raum hinein. wir schauen mit dem sonnenlicht und nicht ihm entgegen, so dass wir unsere augen weit und weich werden lassen können. und wir schauen solange, bis wir die ebenfalls weiter oben beschriebenen veränderungen unseres atems und unseres herzschlages bei uns spüren können. manche, die sich auf dem gebiet des ‚himmel schauens‘ noch unerfahren fühlen, werden eine starke müdigkeit empfinden oder eine art inneren widerstand gegen dieses betrachten des sogenannten ‚blauen gegenstandslosen‘. glauben wir den altaiern (vgl.*9), so schauen wir unmittelbar in den bereich der entstehung unserer seelen hinein. aber wir wollen uns hier nicht mit vorstellungen oder phantasien verwirren. wir bleiben beim blossen betrachten der blauen weite. es wird vielleicht dauern, bis sich ein gewisses empfinden für die räumliche tiefe des himmels einstellt. wie gesagt, es geht hier nicht um das wissen der atmosphärischen schichtstruktur, wir wir es aus der aktuellen klimadiskussion in den medien vielleicht kennen gelernt haben, sondern um die unmittelbare erfahrung der weite.

wenn chinesen staunen, anstatt zu fotografieren

mit einiger übung können wir schliesslich auch entspannt bleiben, wenn diese weite sich einstellt und erfahren dann unterschiede in der dichte, der beweglichkeit oder der elastizität der atmosphäre. die alten chinesen empfahlen uns bei solchen betrachtungen ‚eine qualität von erstaunen‘ aufrecht zu erhalten. übrigens meinen sie noch heute, dass diese fähigkeit nur jenen menschen möglich sei, deren nieren-energie gut ausgeglichen ist.*13 menschen mit schwacher oder gestauter nieren-energie würden in angesicht dieser weite ’stumpf und betrüblich‘ werden.

wir ’schauen‘ also in die tiefe dieses himmels und erleben, wie unser atem sich erhebt und ausweitet. gehen wir im weiteren davon aus, dass wir bereits einige erfahrung mit dem entspannten, weichen sehen haben. wir ’schauen-fühlen‘ also in diese räumliche weite hinein und plötzlich empfinden wir die stimmung des himmelsbereiches über uns: da mag es eine ‚traurige leere‘ wahrzunehmen geben, oder einen ‚drückenden stau‘, ähnlich wie ein ‚ärger in der luft‘. da mag es eine ‚heitere leichte helligkeit‘ geben, die uns lächeln lässt oder eine ‚tiefe gelassenheit‘, die uns deutlicher mit unserem leib oder der erde unter unseren füssen verbindet. auf diese weise werden wir lernen, mit einer einfachen betrachtung des himmels eine rückmeldung über die atmosphäre des tages oder ortes an dem wir uns befinden, zu erhalten.

doch was sehen wir dabei auf dem meer? während einer spirituellen reise auf der mehr als zwanzig-stündigen überfahrt nach kreta, nachdem wir stunden in dem umfassenden blau schaukelnd dahin gedämmert sind und uns zu einer ’schamanischen reise‘ zusammen finden:
’nach ein paar gleichförmigen schlägen der trommel treten die bekannten veränderungen des bewusstseins ein… eine innere bilderwelt entfaltet sich als reichtum persönlichen erlebens und ich sehe alle mitreisenden wie in einem gemeinsamen raum sitzen. in der mitte des raumes erscheint die silouhette einer mächtigen statue, die mich an den heilgott asklepios erinnert*14. seine tempel zu besuchen, ist ein erklärtes ziel unserer reise. plötzlich macht der ganze raum einen ruck nach oben und ich empfinde uns wie ein raumschiff, das immer höher steigt. noch irritiert von den unerwarteten sensationen schlage ich, soweit mir das möglich ist, weiter die trommel, während ich sehe, wie der heilgott zu einzelnen reiseteilnehmerInnen tritt und heilungen geschehen. während dessen steigt der gemeinsame raum immer weiter auf, durch die schichten des himmels, bis mir deutlich wird, dass er in richtung eines bestimmten sternes schwebt. die silhouette verbindet nun, quasi mit der kraft ihres erhobenen zeigefingers die sternenqualität mit dem gemeinsamen traumraum und der gemeinsame traumraum verdichtet sich enorm. es wirkt auf mich, als würde ein dichter nieselregen herunterfallen, der alle anwesenden benetzt. völlig gebannt versuche ich noch immer in ruhe die trommel weiter zu schlagen…schließlich bin ich der reiseleiter, hier sogar im doppelten sinne, der reise zu den tempelplätzen und der inneren, schamanischen reise, als asklepios direkt vor meine augen tritt und mir für meine heilung rät:’sieh die göttliche freude!‘

erschüttert von der klarheit und viglianz der empfangenen inneren bilder tauche ich aus der traumwelt wieder auf, schaue das blau und nehme mit erstaunen und dankbarkeit die heilungsgeschichten der mitreisenden zur kenntnis.

geschrieben wenige tage nach der rückkehr ende mai 2007

verwendete literatur

* diese art ‚wahrnehmen‘ wird in der wahrnehmungspsychologischen und religiös orientierten literatur gleichermaßen wiederkehrend betont. hier beziehe ich mich auf w. reich, zit. in: arnim bechmann; über wilhelm reichs OROP-wüste; frankfurt/m 1995. er schreibt: 
‚die subjektive sinnliche und emotionale wahrnehmungsfähigkeit des beobachters (kann) befriedigende ergebnisse dabei nur erzielen, wenn die zu beobachtenden phänomene sehr einfach oder sehr grob sinnlich erfassbar sind. je differenzierter und subtiler wahrgenommen werden soll, umso mehr muss der beobachter daran arbeiten, dass sein ‚inneres‘ zum schweigen kommt, so dass er ganz ‚wahrnehmung‘ wird und sich vollständig auf das beobachtete konzentriert.‘ (s.54)

** der sogenannte cardio-ocular reflex: ein evolutionsgeschicht-liches relikt aus der zeit, als wir fische waren. damals wurde unsere herzaktivität von dem (wasser-)druck auf die augen gesteuert

*** wie in dem über 4000 jahre alten text aus dem vigyan bheirav tantra; sure: 18

**** über die entwicklung dieses ’natürliches zhine‘ genannten zustandes schreibt tenzin wangyal rinpoche in seinem buch über ‚tibetische meditationen in schlaf und traum‘; münchen 2001;s.106

*****zu goethes farbenlehre: aus dem internet

*6 klausbernd vollmer; handbuch der traumsymbole; krummwisch 2003;s.53

*7 zum ansehen unter www.light-glasses.de oder www.energiebrille.de

*8 günther wachsmut; erde und mensch; ch-dornach 1980; anhang: tafel I

*9 n.a.shodojev;alte weisheitslehren aus dem sibirischen altai;books on demand; norderstedt 2006; s.70f

*10 die differenz fühlen; zu goethes witterungslehre; internet: www.steinerschule-bern.ch

*11 james deMeo; in: emotion heft 9 frankfurt/m 1989

*12 reinhold messner; berge; münchen 2002; s.76

*13 achim eckert; das heilende tao; freiburg i.br.1989;s.74

*14 eine solche hatte ich bei den reisevorbereitungen in dem kleinen büchlein von arn strohmeyer; lentas – ein dorf am libyschen meer; lilienthal 2000; s.17, gesehen.

die lust an der berührung

den mechanismus der grundregulation verstehen, um wirksame behandlungsmethoden in der körperpsychotherapie zu entwickeln: dieser artikel schlägt eine brücke zwischen den aktuellen forschungen über das semifluide system der faszien zu der entwicklung von körperpsychotherapeutischen ansätzen. es geht um die gedanklichen verbindungen von wilhelm reich über ida rolf und jack painter bis hin zu robert schleip. er zeigt auf, wie sich die erkenntnisse in aktuelle, praktische körperpsychotherapeutischen behandlungsmethoden umsetzen lassen.
* artikel: die lust an der berührung (pdf)

die kunst des pirschens

über verschiedene techniken im übergang zwischen gesprächs- zu körperpsychotherapeutischer arbeit. reflexionen und vergegenwärtigen der situation des psychotherapeuten mit dem schwerpunkt auf die körperorientierte behandlung von traumata. der text zeigt wege auf, wie man heutzutage klientInnen darin unterstützen kann, das fühlende erkunden des eigenen seins wieder zu erlernen.

eigenveröffentlichung, 2012

die kunst des pirschens (1)

acht (!) verbreitete ergänzungen von gesprächs- zu körperorientierter psychotherapie

gehen wir davon aus, dass die dinge für sie gut gelaufen sind: sie haben eine therapeutische (zusatz-)qualifikation im bereich der körperpsychotherapie erworben, die auch von der deutschen gesellschaft für körperpsychotherapie anerkannt worden ist. sie haben sich zeit freinehmen können, um neben ihrem grundberuf auch körperpsychotherapeutische einzelarbeit anbieten zu können und sie haben wege gefunden, in einer ziemlich chaotisch anmutenden gesellschaft auch einen klienten zu sich in den behandlungsraum einzuladen.

(dann hätten sie einen häufigen weg zu körperpsychotherapeutischer arbeit seit den neunziger jahren beschritten: es ist das am häufigsten angewandte zweitverfahren und es wird in der regel ohne kassenärztliche zuweisung als privat abzurechnende einzeltherapie angeboten. (2)

je nach ihrer therapeutischen ausrichtung haben sie bereits sog. ersteindrücke von ihrem klienten gesammelt: vielleicht ist ihnen an dessen stimme bei der telefonischen terminvereinbarung bereits etwas über seine anspannung aufgefallen; vielleicht konnten sie an seinem bindungsverhalten bereits etwas gehemmtes und zurückhaltendes erkennen oder der händedruck zur begrüßung erlaubte ihnen eine einschätzung von meridian-dominanz und damit dem zustand seiner inneren organe.

sie werden also womöglich noch VOR der aufnahme anamnestischer auskünfte bereits einige wichtige informationen über das befinden ihres klienten bekommen haben. einige werden sie vertiefen wollen, oder sie werden versuchen wollen, ihre ersten eindrücke zu falsifizieren. bis hierhin gilt das wort eines der ältesten unserer berufsgruppe: „was sie in den ersten 5 minuten der begegnung mit einem klienten nicht herausfinden, werden sie auch in den nächsten 5 jahren therapie nicht herausfinden.“ (3)

seien sie also aufmerksam.

nun befinden sie sich im selben raum mit ihrem klienten. vielleicht nicht das erste mal, und sie werden seine reaktionen auf ihr praxisumfeld aufmerksam wahrnehmen. manche klientInnen machen jedes mal eine freundliche bemerkung über den blumenstrauß im foyer ihrer praxis; andere vergessen nie, sich auf einen der buchtitel in ihrem wartezimmer zu beziehen oder lassen bei jedem sitzungsanfang irgend einen unflätigen satz über die begegnung mit anderen verkehrsteilnehmerInnen auf dem weg zu ihrer praxis fallen. ein weiterer, noch lebender ältester unserer zunft erzählt zur illustration dieser situation die wunderbare geschichte von der vielseitigen rolle der schachtel mit taschentüchern in seinem arbeitsraum. (4)

während diese dinge geschehen, werden sie in begegnung mit diesem klienten ein spezifisches gefühl entwickeln, das in der gängigen fachliteratur als ‚übertragung‚ bezeichnet wird. (5) es gehört zu den besonderheiten unserer arbeit, dass wir unsere eigenen wahrnehmungen in gegenwart von klientInnen als hinweis auf qualitäten der begegnung und mögliche arbeitshinweise anwenden können. (6)
wir sollten uns dieses privileges immer wieder bewusst werden: in einer kultur, in der gefühle gemeinhin als irrationale belästigungen und einschränkungen der (wirtschaftlichen und sozialen) funktionsfähigkeit der menschen erlebt werden, an einem arbeitsplatz zu sein, an dem unser eigenes fühlen wichtig und wertvoll erscheint.

bis hierhin also ist vieles bei ihnen gut gegangen.

nun aber beginnen die schwierigkeiten, von deren umgang in der körperpsychotherapie in diesem artikel die rede sein soll:

sagen wir zunächst, dass ihnen immer in gegenwart ihres klienten etwas übel wird; oder dass sie an sich bemerken, dass sie besonders vorsichtig mit diesem menschen umzugehen versuchen; oder ihnen wird klar, dass dieser klient nicht einfach nur regelmäßig zu spät kommt, sondern dass die dafür verwendete zeit immer bei etwa 8 minuten liegt.

was fangen sie nun mit diesen eindrücken an?

vielleicht entdecken sie, dass ihre klientin, die bereits einige vorerfahrung mit therapien an anderen orten hat, schnell über ihr befinden ins gespräch kommt, dann detailreich ihre konflikte mit ihrer pubertierenden tochter beschreibt und schließlich im verlauf ihrer körpertherapeutischen sitzung regelmäßig zu weinen beginnt. man könnte doch meinen, dass sie erleichtert darüber sein könnten, dass ihnen hier einiges an material zum arbeiten geboten wird. aber sie beschleicht der eindruck einer gewissen, festgefahrenen choreographie dieser abläufe.

verbreitet mag auch die szene sein, in der eine klientin sich ihnen gegenüber mit den details eines problems öffnet, dies genauer beschreibt, sie dann mit fragendem blick anguckt und von ihnen erfahren möchte, was sie jetzt in der situation wohl ihrer therapeutischen meinung nach am besten tun solle.

lauter beispiele also, in denen es um eine vertiefung und weiterentwicklung des körpertherapeutischen kontaktes gehen würde. der kontakt kann sich dabei auf die beziehungsqualität zwischen ihnen als behandlerIn und ihren klientInnen beziehen, oder aber er bezieht sich mehr auf die unterstützung ihrer klientInnen, den kontakt zu sich selbst zu vertiefen; eine eigene, innere spur der wahrnehmung aufzunehmen und dabei neue aspekte des erlebens (in sich) zu ergründen.

bleiben wir zunächst bei den möglichkeiten, durch berühung die begegnung zu vertiefen.

dabei ist natürlich zuallererst die qualität ihrer eigenen wahrnehmung entscheidend: befinden sie sich heute im stress und müssen sich zusätzlich nun auch noch mit der emotionalen welt ihrer klientInnen auseinandersetzen? fanden sie sich heute morgen müde und unausgeschlafen vor und bemühen sich selbst, erst während ihrer arbeit wieder in dem neuen tag tritt zu fassen? …

gehen wir mal davon aus, dass sie heute in der lage gewesen sind, sich soweit zu sortieren, dass sie ihre wahrnehmung für jene ihres gegenübers öffnen können. dann wird zunächst von bedeutung sein, ihre eigene ‚posturale resonanz‘ (7) auf körperhaltung, stimme und bewegung zu vergegenwärtigen. vielleicht werden sie sich, während ihre klientIn sich mit der beschreibung ihres therapeutischen anliegens beschäftigt, mit einer modulation ihrer körperhaltung, ihrer atemspannung oder ihrer stimmführung beschäftigen, um herauszufinden, ob sie damit das erleben ihrer klientIn weiterentwickeln können.

wir machen das ja häufig unbewusst, indem wir beruhigend sprechen oder eine interessierte körperhaltung einnehmen, oder bei bestimmten details des berichteten zustimmend nicken. diese dinge implizit im kontakt zu tun, nennen wir dann ‚pacing‚ oder ‚leading‚ im therapeutischen dialog. (8)

sie werden womöglich dinge besprechen wollen und erkunden, was ihr empfinden in begegnung mit diesem klienten erklären könnte und sie werden abzuwägen haben, welche dieser empfindungen sie auch im kontakt zu ihrem gegenüber benennen wollen. es fällt ihnen vielleicht leichter, darüber zu sprechen, dass sie sich immer wieder bedrängt oder getrieben fühlen im kontakt mit ihrer klientIn, als dass sie erwähnen würden, dass sie immer wieder eine gewisse strenge oder härte in gegenwart ihrer klientIn verspüren und sich fragen, mit welcher person im leben ihrer klientIn diese empfindungen in zusammenhang stehen könnten? vielleicht ergeben sich aus dem zur verfügung stellen ihrer eindrücke nun auch explizite möglichkeiten, sich in therapeutischen rollenspielen mit verschiedenen inneren anteilen ihrer klientIn oder mit deren familiären angehörigen vertiefend zu befassen.

peter levine schreibt: „wir müssen wissen, dass therapeuten, die glauben, sich vor den empfindungen und emotionen ihrer klienten schützen zu müssen, diese unbewusst auch daran hindern, ihre empfindungen und emotionen zu erleben.“ (9)

manche situationen werden ihnen körperliche gesten nahe legen, die sie gezielt zum vertiefen emotionaler prozesse verwenden können: für das vertreten eines standpunktes werden sie ihre klientIn womöglich darum bitten, sich einmal hinzustellen und das eigene stehen im kontakt zu der besprochenen beziehung wahrzunehmen. in anderen situationen mag ihnen auffallen, wie sehr sich ihre klientin separieren und abgrenzen möchte. vielleicht werden sie sie dann einladen, sich einmal im kontakt etwas mehr zu entfernen, oder über abwehrende gesten ihrer eigenen hände und arme den wunsch nach distanzierung und resilienz zum ausdruck bringen zu können.

die verwendung körperlicher gesten kann eine sehr starke intervention sein, wenn sei dabei auf allgemein verwendete, kulturell geprägte gesten zurückgreifen: beispielsweise kann ein ’schulterklopfen‘ unter männern viele erinnerungen an (konflikthafte) männerfreundschaften auslösen; oder in sehr zärtlichen regressiven phasen der arbeit könnten sie gesten einsetzen, die üblicherweise eltern gegenüber säuglingen verwenden (wie das streicheln über den kopf, oder gesten, die gegenüber kleinkindern eingesetzt werden, wie beispielsweise die einladung, sich unter die arme greifen- oder auf den schoß nehmen zu lassen.

sie sollten also bereits vor der auswahl unserer geste eine in der anamnese gut begründete hypothese haben, die sie zu einer verwendung der einen oder anderen geste führen kann. sie werden im kontakt eine strategie verfolgen wollen, die ihnen begründeten anlass dazu gibt, im kontakt mit dieser/m klientIn besonders ein bestimmtes zeitalter ihrer biographie erforschen zu wollen.

gerade wenn wir schon länger körperpsychotherapeutisch berufstätig sind, also täglich viel mit berühung und dem berühren anderer menschen zu tun haben, vergessen wir manchmal, dass menschen zu uns kommen, die bereits seit tagen, wochen, oder monaten gar keine menschliche berührung mehr erfahren haben (wie z.b. bei älteren, alleinstehenden klientInnen), oder deren berührungserlebnisse sich nurmehr auf die einleitenden berühungen des partners für sexuelle handlungen, auf untersuchungsbedingte berührungen von ärzten oder anderen medizinischen behandlerInnen bezogen haben. auch die sog. gut gemeinten berührungen wie beispielsweise eine reiki-behandlung zur steigerung des wohlbefindens, eine massage zur entspannung, oder eine wellness-kosmetik-behandlung sind ja berührungserfahrungen, die mit einer intention einhergehen; berührungserfahrungen also, die sich um alles mögliche, aber nicht um das behutsame erkunden eigener innerer empfindungen und gefühle bemühen.

in diesem bereich körpertherapeutischer möglichkeiten, den kontakt zu vertiefen, geht es um die verwendung von berührung und die damit einhergehende bewusstheit. dies kann zum einen eine ähnliche intention haben, wie im bereich der gesten: sie geben einer klientIn eine berührung, weil sie damit in ihrer beziehung zueinander etwas ausdrücken möchten: die hand ihrer klientIn beim begrüßen etwas länger zu halten, um damit vertrauen und zuversicht zu signalisieren; oder die leichte berührung, die geschehen mag, während sie vielleicht ein taschentuch zum abwischen der tränen reichen. dabei ist ja das vermeiden von berührung nicht etwa geeignet, mögliche übertragungsszenarien auszuschließen. vielmehr wird die vermeidung von berührung im übertragungsgeschehen als eben dieses vermeiden wahrgenommen und die phantasien ihrer klientInnen über die ursache dieses ausweichens mögen interessante aspekte des therapeutischen beziehungsgeschehens beleuchten, wie tilman moser als beständiger vermittler zwischen psychoanalytisch-abstinenter und körpertherapeutischer therapie an vielen beispielen erläutert. (10)

berührung kann aber auch den sinn haben, einen raum der selbsterkundung zu gewähren:

wie anders fühlt sich eine klientIn bestätigt, wenn sie während des erkundens eines gefühls die hand ihres therapeutischen begleiters halten kann; oder um wie viel deutlicher wird das gefühl in einer ausgewählten körperpartie, wenn sie dort die berührung einer hand findet. auf diese weise können berührungen klientInnen unterstützen, ihren eigenen gefühlen nachzugehen; manche mögen schmerzhaft entdecken, wie oft die von ihnen erlebten berührungserfahrungen mit einer absicht verbunden gewesen sind: ‚lass doch deine schultern mal locker‘, ’nimm die finger aus dem gesicht‘, ’sei doch nicht so traurig‘, oder ’sitz aufrecht‘ sind beispiele für innere kommentare solcher intentionaler berührungen.

aus der begleitung bettlägeriger klientInnen sind viele hinweise zum erkunden der qualität ihrer berührung und der notwendigkeit, sich der nebenwirkungen ihrer berührungen für deren heilsamen wirkung bewusst zu werden aus der sog. glaser-arbeit überliefert. moina grossmann-snyder schreibt dazu beispielsweise, dass es in der berührenden begegnung den für beide erfahrbaren unterschied zwischen dem ‚mitschwingen‘ und dem ‚locken‘ zur beeinflussung von atem- und muskeltonusphänomenen gibt. begriffe, die erfahreneren körpertherapeutInnen intuitiv sinn machen. (11)

gerade aus der traumatherapie wird körperpsychotherapeutInnen wieder nahegelegt, durch ihre berührungen einen absichtslosen schutzraum für das erkunden innerer bewegungsimpulse zu bieten, weil die homöostase-strukturen unseres nervensystems diese aufmerksamkeitsbasierte wahrnehmung innerer bewegung für ihre selbststeuerung brauchen. schon aus der arbeit eines anderen ältesten unserer zunft, wilhelm reich, haben wir gelernt, dass das wiederherstellen der körpereigenen körperlichen pulsationsbewegung starke, heilsame impulse im körper freisetzt, die einer eigenen bewegungsrichtung zu folgen scheinen. (12) das wissen von den einfachen, freien bewegungen aus dem chinesischen qi-gong oder der indischen lathian-meditation ist aber noch sehr viel älter. diese kulturen wussten schon um 4000 vor unserer zeitrechnung um die bedeutung des anpirschens an körpereigene autonome bewegungen, als wichtiges mittel der heilung und emotionalen entspannung. (13)

hier wäre es dann angemessen, die von körperpsychotherapeutInnen am häufigsten zitierte aussage eines weiteren ältesten der psychotherapie anzugeben: ‚der eigene körper und vor allem die oberfläche desselben ist ein ort, von dem gleichzeitig äußere und innere wahrnehmungen ausgehen können. er wird wie ein anderes objekt gesehen, ergibt sich aber aus dem getast zweierlei empfindungen, von denen die eine einer inneren wahrnehmung gleichkommen kann.‘ (14) auf diese weisen verwenden sie berührung, um aspekte der therapeutischen beziehung in ihr bewusstsein zu heben.

es mag auch sein, dass sie anamnestisch den verdacht verfolgen, dass die schwierigkeiten ihrer klientInnen so frühe ursachen haben, dass sie vor dem beginn der sprachlichen kompetenzen liegen. in diesen fällen werden sie berührungstechniken verwenden, die ihren klientInnen erlauben, durch atmung, durch stimmlichen ausdruck oder durch einfache bewegungen ihre präverbalen empfindungen wahrzunehmen und zum ausdruck bringen zu können. in anspielung auf ein gängiges schmerzmedikament nannte eine klientIn diese triade einmal treffend ‚A.S.B.‘, für atem, stimme und bewegung, um sich die techniken der amplifikation emotionaler themen durch berührung zu merken! (15)

in diesen bereich von berührung fallen natürlich dann auch alle körpertherapeutischen verfahren, in denen gezielt durch eine erweiterung der atemkapazitäten der affektzyklus (16) beeinflusst werden soll, oder bei denen der stimmliche ausdruck zur erweiterung der affekt-motorischen-schemata (17) gefördert werden soll. auch jene techniken der körperorientierten traumatherapie, bei denen durch raumgreifende bewegungen die kampf- oder fluchtverhaltensweisen einer in ihrem trauma erstarrten klientIn wieder in gang gebracht werden sollen, fallen in diesen bereich der arbeit mit berührung. (18)

möglicherweise sind sie aufgrund des menschenbildes ihrer ausbildung sensibel für die energetischen aspekte der wahrnehmung ihrer klientInnen: ob jemand seine energie nach oben zieht, was wir früher den psychopathischen charakter nannten, oder ob seine energie sehr komprimiert erscheint, wie bei manchen korpulenten klientInnen, sind dabei nur zwei verschiedene aspekte, die wir in unsere arbeit aufnehmen können. so ließen sich mit körperthera-peutischen verfahren die komprimierten charaktereigenschaften ihres klienten durch mehr leichtigkeit und freude balancieren, wie der aufgeblähte, psychopathische charakter einige sitzungen lang sich mit ‚dampf ablassen‘ und einer besseren ‚erdung‘ beschäftigen wird. ich komme darauf noch im nächsten absatz zurück. (19)

sollten sie aber mehr das menschenbild der traditionellen chinesischen medizin aufgenommen haben, werden sie vielleicht wahrnehmen, wie stark das wasserelement einer person entwickelt ist; dass sie förmlich in ihrer eigenen angst versinkt und sie werden sie bemühen, mit übungen aus dem feuerelement das wasser zu verdunsten, oder sie werden das holz-element dieser person mit hilfe des wassers nähren und zuschauen, was für wunderbare neue triebe und blüten die so unterstützte klientIn zu tage bringt. lassen wir die komplexität des asiatischen menschenbildes hier bei dieser metapher ruhen. da ist sicher ein umfangreicheres wissen zu erkunden. (20) basis für diese möglichkeit der körperorientierten erweiterung psychotherapeutischer techniken ist die fähigkeit, erscheinungsformen unseres leibes auf ihre seelische eigenschaft hin interpretieren zu können, sogenanntes ‚körperlesen‘. ich gehöre noch jener generation von körperpsychotherapeuten an, die vor der ausbildungsklasse umhergehen mussten, und dabei von ihren ausbildern gelesen wurden. das hatte natürlich auch etwas magisches, was der so alles sehen konnte! wenn wir neueren neurowissenschaftlich basierten lernmethoden jedoch folgen, war der lerneffekt sehr gering. viel motovierender erscheint es heute, beispielsweise mit hilfe einer ‚anfass-bar‘-genannten übung die deutlich voneinander zu unterscheidenden gewebequalitäten der verschiedenen charakter- oder elementetypen zu ertasten und selbst zu erkunden, mit hilfe welcher interaktionen zwischen therapeutInnen und klientInnen sich diese wandeln ließen.

für diesen artikel bleiben jetzt noch zwei weitere bereiche der durch berührung unterstützten selbsterkundung unserer klientInnen: die eine möchte ich im rahmen dieses artikels nennen: einen ort finden. gemeint ist damit die suche einer/s körperpsycho-therapeutIn danach, einen eindruck, eine empfindung oder auch ein aktuelles gefühl im leib des klienten zu verorten: dieses verfahren wurde in der bioenergetik mit dem begriff des ‚grounding‘ verbunden. aus der erfahrung, dass ein ‚über eine erfahrung zu sprechen‘ eine ganz andere wirkung auf das erleben von therapeutIn und klientIn hat, als wahrnehmend und fühlend mit der erfahrung verbunden zu sein, wird mit diesem verfahren danach gesucht, wo in unserem körper wir die quelle unserer erfahrung empfinden. so mag ein ‚knoten im hals‘ als ausdruck eines gefühls der trauer leicht zu verorten sein; auch ein ’stein im magen‘ oder die berüchtigte ‚laus, die über die leber gelaufen ist‘ geben uns klare hinweise über eine körperpartie, die im körperpsycho-therapeutischen dialog aufzunehmen sein könnte.

wenn wir aber wahrnehmen, dass jemand allgemein ‚verkopft‘ ist, also von seinem leibempfinden wie abgeschnitten wirkt, folgt daraus sicher, dass wir nicht das problem noch verstärken, indem wir nun zudem auch noch am kopf zu arbeiten beginnen! wir werden vielmehr weiter unten am körper arbeiten und unseren klienten ermuntern, sich auch mit diesen kopf-fernen partien seines leibes anzufreunden. da mag es verspannte waden geben, oder wenig elastische hüftgelenke, die schon länger nach einem ausgleich rufen. wir mögen entdecken, dass ein pferde-ähnliches austreten in den oberschenkeln zurückgehalten wird oder eine kindliche freude am explorieren der welt sich gegen die zwanghafte arbeitsfixierung des kopfes raum zu verschaffen versucht. alles beispiele für eine beginnende neue erdung der person, anderen bedürfnissen als den ideen des kopfes zu folgen.

schwieriger wird es dann noch, wenn unsere klientin einen tiefen seelischen schmerz beschreibt, der aber nicht primär mit einem körperlichen schmerz einhergeht. in diesem falle könnten wir sie darum bitten, mit ihren händen eine bewegung zu machen, die diesen schmerz darstellt und wir könnten dann mit der bewegung als körperbezug weiterarbeiten.

oder aber die klientin befasst sich mit ihren empfindungen in einer beziehung. in diesem falle könnte sie erkunden, an welcher stelle ihres leibes die auswirkungen ihrer empfindungen auftreffen und welcher innere dialog, oder welche bewegung daraus entstehen; die kritik der pubertierenden tochter, wir erwähnten sie weiter oben im artikel schon einmal, erreichte die mutter unmittelbar als schneidender schmerz in ihrer brust; es wurde dann deutlicher, dass sie sich in ihrem herzen verletzt fühlte. sie nahm sich den körpertherapeutischen schutzraum, um dieser verletzung nachzuspüren, sie zu ‚pirschen‘, bis sie bei einem größeren, mehr aspekte ihres lebens umfassenden gefühl von geborgenheit wieder ankam. aus dieser erfahrung heraus konnte sie ihr bedürfnis nach einem neuen abstand zu ihrer tochter wahrnehmen und sich zu dessen umsetzung gedanken machen.

augenarbeit

die arbeit mit dem augenausdruck und das erforschen unserer sehfähigkeiten entstammt einer der wenigen mystischen traditionen, die das zeitalter der hexenverfolgungen in europa überdauert hat. bewahrt wurde die tradition bereits im 12. jahrhundert um die schule von bernhard von chartres (21) und dann von zigeunern durch das dunkle mittelalter gerettet. meines wissens war es wilhelm reich, der als erster ‚den blick‘ wieder in das therapeutische interesse aufnahm. den feinen tanz zwischen hingucken und wegschauen im therapeutischen kontakt zu berücksichtigen: wo schaut jemand hin, wenn er/sie sich eines bestimmten gefühls zu erinnern versucht? und warum entsteht dieses besondere empfinden immer wieder, wenn die person in diese richtung schaut, aber sie verliert den zugang dazu, oder kann sich völlig neue ressourcen erschließen, wenn wir sie einladen, in eine andere richtung zu schauen, während sie erzählt; allein die übung, klientInnen den unterschied erkunden zu lassen, zwischen sich selbst beim erzählen wahrzunehmen und sich darüber bewusst zu werden, dass sie während des erzählens von einer anderen person sehend wahrgenommen werden, kann viele erinnerungen an ungesehen-, ungehört-gewesen sein erweitern.

gerade wenn wir uns in themenbereiche um scham und eigensinn bewegen, kann die arbeit mit den augen eine sinnvolle ergänzung des kontaktes bedeuten, die die fragen des wiedergefundenen (berechtigten) misstrauens oder der sehnsucht nach einem vertrauten menschen aktivieren.

die (unterschiedlichkeit der) eigenen augen selbst bei geschlossenen lidern zu ertasten, kann unsere selbstwahrnehmng für die verschiedenheit unserer beiden körperhälften ebenso ergänzen, wie eine selbsterkundung unseres augenausdrucks im (hand-)spiegel uns zugang zu unbewussten aspekten unserer selbstdarstellung geben kann.

wegen der komplexen verschaltung unserer sehbahnen mit den bereichen unserer erinnerung kann die direkte arbeit mit augen-kontakt, wie sie beispielsweise loil neidhöfer beschreibt (22) ihnen direkten und unmittelbaren kontakt zu sehr frühen erinnerungen geben, wenn das aus therapeutischer einsicht nötig sein sollte. ich erinnere eine klientIn mit viel therapeutischer vorerfahrung, die zur behandlung tiefer ängste kam. sie litt unter diesen ängsten besonders morgens sehr, war aber außerstande, die quelle ihrer ängste zu ergründen. da sie stark kurzsichtig war, schlug ich ihr vor, mit dem augenausdruck (ohne brille) zu arbeiten. sehr direkt konnte sie zugang zu panikartigen ängsten kriegen und diese auch erlebnismäßig in ihrer kindheit verorten, wo sie während einsamer nächte im dunklen in ihrem kinderzimmer den geräuschen der bombardierung ihrer heimatstadt ausgeliefert war.

kehren wir also zum anfang dieses artikels zurück:
erinnern wir uns daran, dass manches in unserem beruflichen sein gut gegangen sein muss, wenn wir eine/n klientIn für körperorientierte psychotherapie vor uns in der praxis sitzen haben.

erinnern sie sich auch daran, wie viele bereiche ihres gehirns mit den qualitäten der berührungserfarhungen ihrer hände verbunden sind (23); dass also ihre berührung ermöglicht, auf weitreichende weise den kontakt zu ihren klientInnen zu choreographieren. erinnern sie sich daran, dass das, was wir früher die aura einer person genannt haben, heute als ‚peripersonaler raum‘ bezeichnet wird (24) und im schläfenlappen unseres gehirn gespeichert wird. wir wissen heute, dass dieser bereich für die arbeit mit sog. körperbildstörungen (25) von entscheidender bedeutung ist.

erinnern sie sich also auch daran, dass ihre tägliche arbeit mit bewusstheit und berührung (26) auch mit aspekten einer kollektiven bewusstseinsentwicklung verbunden ist: der gleichzeitigen verbesserung der inkorporation in unserer sinneswahrnehmung und einer erweiterten wahrnehmung der kaleidoskopartigen struktur unseres bewusstseins geht. (27)

dann wird uns klarer, dass eben das tägliche vertiefen und erweitern unserer berührungserfahrungen und jener unserer klientInnen noch BEVOR wir ein spezifisches verfahren wie biodynamik, posturale integration, analytische körpertherapie, oder wie sie alle heißen, mögen anwenden, bereits körperorientierte erweiterungen einer psychotherapie beinhalten. paradoxerweise sogar dann, wenn wir gar nicht explizit körperpsychotherapeutische verfahren anwenden können oder wollen.

in diesem sinne wünsche ich kollegInnen und kollegen weiter viel neugierde auf ihre nächste, klientInnen-induzierte reise in neue körperbasierte bewusstseinsbereiche.

bernhard schlage

literatur

(1) der begriff ist eine transliteration zum englischen wort ‚tracking‘, das in der neueren literatur über die körper-psychotherapeutische behandlung von traumata verwendung findet: z.b. in: pad ogden; trauma und körper; paderborn 2010, s. 262; der begriff stammt eigentlich aus dem sog. jägerlatein und bedeutet dort so etwas wie ’spuren lesen‘ oder ‚verfolgen‘; hier wird er verwendet, weil er besser als die älteren verwendeten begriffe ’sensing‘ (sinngemäß ’spüren‘) oder ‚feeling‘ (was man deutsch als ‚fühlen‘ übersetzen würde) deutlich macht, dass ein/e klientIn sich aktiv mit ihren sinnen um die wahrnehmung ihrer empfindungen, um das wiederfinden emotionaler empfindungen und um die bedeutung dieser wahrnehmungen bemüht. es wäre a.a.o. kritisch zu hinterfragen, welche kulturelle veränderung geschehen sein muss, dass man heutzutage klientInnen mehr als in früheren zeiten darin unterstützen muss, das fühlende erkunden des eigenen seins wieder zu erlernen. das ‚pirschen‘ ist in diesem falle auch nicht zu verwechseln mit einer der ‚techniken der kraft‘ aus dem schamanischen weltbild carlos castaneda’s: dort bedeutet es aber etwas ähnliches: nämlich die charakterlich erworbenen einschränkungen der wahrnehmung durch gezielte schamanische techniken zu erweitern. in: victor sanchez; die lehren des don carlos; essen 1996; s. 81ff

(2) mekkibb-studie der deutschen gesellschaft für körperpsychotherapie 2005

(3) als einen engagierten vertreter der kurzzeittherapie, paul watzlawik zugeschrieben

(4) der panamahut, münchen 2002; s. 66

(5) als der immer noch gültige klassiker des umgangs mit diesen aspekten der therapeutischen beziehung darf noch immer erwähnt werden: ralph r. greenson; technik und praxis der psychoanalyse; stuttgart 1973; s. 163ff

(6) leston havens, explorations in the uses of language in psychotherapy; psychiatry 42/1979, pp. 40-48

(7) zit. nach: peter a. levine; sprache ohne worte; münchen 2010; s. 67

(8) gabriele und klaus birker; was ist nlp?; reinbek 1997; s. 77ff

(9) peter a. levine; a.a.o.; s. 63

(10) tilmann moser; berührung auf der couch; frankfurt/main 2001

(11) in: berühren; stuttgart 1996; s. 53

(12) die funktion des orgasmus; köln 1987; s. 226

(13) z.b. in: i-ging und kabbala; freiburg im breisgau 1982; nr. 51; s. 192

(14) sigmund freud, GW, bd. 13, s. 235-289; frankfurt/main 1940

(15) arnold mindell, der leib und die träume; paderborn 1987; s. 20

(16) bernhard schlage; die entdeckung des unmöglichen; hannover 2008; s. 139

(17) george downing, sprache & wort in der psychotherapie; münchen 1996; s. 139f

(18) peter a. levine; a.a.o; s. 115ff

(19) roland bäurle; vom typentrauma zum traumtypen; berlin 1998

(20) achim eckert, das heilende tao; münchen 2008

(21) heinrich schippberges; die welt des auges; freiburg 1978; s. 13ff

(22) intuitive körperarbeit, hamburg 1998; s.90

(23) stichwort: der somatosensorische homunkulus; in: charles hampten-turner; modelle des menschen, weiheim 1986; s.75

(24) sandra & matthew blakeslee; der geist im körper; heidelberg 2009; s. 164

(25) bernhard schlage in energie & charakter, VOL 33, jahrgang 40; s.93-104; bühler(CH)2009

(26) alliteration zu moshe feldenkrais‘ bekanntem standardwerk der feldenkrais-behandlung: ‚bewusstheit durch bewegung‘

(27) das aperspektivische bewusstsein; in: jean gebser; ursprung und gegenwart; bd. I; schaffhausen 1986; s. 365 und der drehpunkt 7 des bewusstseins nach: ken wilber; integrale psychologie; freiamt 2001; s. 114

blanche wittmanns busen… (vollversion)

Bernhard Schlage, 2011

blanche wittmans busen

einführung in die besonderheiten des übertragungsgeschehens bei psychosomatischen erkrankungen

sie war jung. sie war schön. alle wussten, dass doktor jean-martin charcot seine lieblingspatientInnen hatte. sie gehörte zu ihnen. bis zu fünf mal täglich führte er seine hypnotischen seancen im kreise der kollegen durch. alle mit frack und hochgeschlossenen hemden. manche mit zwickel. alle waren begierig, sie zu sehen. die frauen der salpetiere von paris. brouillet hinterließ der nachwelt ein wunderbares gemälde dieser szene (s. links).

es gab die kranken alten, die schizophrenen, die eingebildeten kranken und es gab die hysterischen. jene hatten es dr. charcot besonders angetan. und von ihnen besonders solche wie blanche wittman auf dem gemälde: hochgeschnürtes, weit geöffnetes dekolleté, wunderschöne augen und eine archaische wildheit. wir dürfen darüber fantasieren, was die herren doktoren im raum denn wohl so besonders an diesen seancen angezogen hat.

blanches mieder war eng geschnürt. sie konnte kaum atmen. all diese herren um sie herum und dann die berührungen des doktors. charcot hatte kenntnisse über akupressurpunkte. er griff unter ihren rock, auf die innenseite ihrer beine. man stelle sich das vor: zu einer zeit, ende des 19. jahrhunderts: queen victoria liebt ihren coburger, der prince of wales war auf öffentlich kommentierten abwegen und oscar wilde kokettierte literarisch mit seiner verkommenheit.(2) in dieser zeit muss es ein ereignis gewesen sein. wir vermuten richtig, dass er einige punkte am lebermeridian berührte und blanche bekam auf der stelle starke strömungsempfindungen im leib, die sie zu vulkanischen ausbrüchen von lebensenergie führten. diese wurden als merkmale ihrer hysterischen erkrankung verstanden. und charcot war geschickt darin, sie anschließend durch weitere berührungen wieder zu beruhigen und ihre symptomatik zum abklingen zu bringen.

wir haben es per olov enquist zu verdanken, dass er mit dem ‚book of the questions‘ erstmals die unveröffentlichten tagebücher von blanche wittman der öffentlichkeit zugänglich machte.(3) selbst wenn diese texte nicht authentisch sind, wie bereits diskutiert wird,(4) so verdanken wir es enquists erzählkunst, dass wir heute nachempfinden können, wie es ihr gegangen sein muss.(5)

im publikum saß der uns allen bekannte sigmund freud in jungen jahren. wir müssen uns die vibrierende, charismatische und hypnotische szene der damaligen zeit vorstellen: ärzte versuchen sich öffentlich in der anwendung schamanischer heilungstechniken. die dramatischen wirkungen der mischung aus verbalen suggestionen, körpermassage und akupressur, die charcot, bernheim und breuer damals bei ihren patientInnen verwendeten.

freud kehrte begeistert über die neuen behandlungsmöglichkeiten nach wien zurück und begann, damit zu arbeiten. er hatte keine der heutigen ausbildung von körperpsychotherapeutInnen vergleichbaren qualifikationen: keine 600 stunden grundlagentraining in körperpsychotherapie; keine supervision; keine begrifflichkeiten zum umgang mit dem vasomotorischen zyklus (6), und es geschah, was geschehen musste: in einer seiner behandlungen sprang seine patientin am ende der sitzung auf und umarmte ihn inniglich aus dankbarkeit für jene erleichterung, die sie erfahren hatte. überwältigt und von seelischem schmerz berührt versuchte freud, fortan wege zu seelischer erleichterung ohne berührung zu finden.(7)

warum alexander lowen plötzlich laut schrie?

wir können heute in jedem training für körperpsychotherapie diese szene wieder finden: vom plötzlichen auftauchen tiefer seelischer empfindungen und daraus folgenden spontanen handlungen. alexander lowen beschreibt, wie er in einer seiner ersten sitzungen bei wilhelm reich plötzlich anfing, auf die behandlungsmatratze einzuschlagen und dabei das gesicht seines vaters vor seinem inneren auge sah.(8) und wir haben gelernt, mit diesen szenarien umzugehen.
und es war bowlby, der uns verständlich machte, was wir heute in der szene mit blanche wittman sehen können: übertragung ist ein wechselspiel zwischen patientInnen und ihren behandlerInnen. es gibt einen ständigen signalfluss zwischen menschen, der sich in der therapeutischen situation wahrnehmen und choreographieren lässt.(10)

seine mitarbeiterin, mary ainsworth, entwickelte schließlich die sogenannte ‚fremde situation‘: ein rollenspiel, bei dem mutter und kind einen fremden raum mit spielsachen betreten. sie untersuchte, wie sich die kinder in beziehung zur mutter verhalten, während sie den raum um sich explorierten. wann sie sich von der mutter weg bewegten, wann sie zu ihr hinblickten, um sich ihrer gegenwart zu versichern und was geschah, wenn die mutter den raum verließ. aus diesem einfachen versuchsaufbau wurde uns deutlich, dass bindungs- verhalten gelernt wird und dass es verschiedene bindungsmuster gab, die sich in der therapeutischen beziehung gut wahrnehmen und entwickeln ließen.(11)

wir entdeckten dabei etwas grundlegendes: die voraussetzung für jede art sozialer wahrnehmung, und natürlich besonders im umgang mit klientInnen, ist eine wahrnehmung des eigenen, körperlichen selbst. werde ich mir meiner befindlichkeiten in gegenwart einer/s klientIn bewusst, erlange ich zugang zu ressourcen für therapeutische strategien. daniel stern bestätigte diese wahrnehmungen später durch die ergebnisse seiner säuglingsforschung.(12)

in vielen beruflichen supervisionen taucht diese frage von kollegInnen wieder neu auf: sollen wir wirklich auf unsere eigenen empfindungen im therapieprozess achten? müssten wir nicht gerade lernen, diese zurückzustellen hinter eine wahrnehmung des/r klientIn? und immer wieder lautet die antwort, dass ohne ein eingeständnis in das besondere der momentanen eigenen befindlichkeit die pforte zur wahrnehmung des anderen verschlossen bleibt. wir sind existenziell unseren eigenen sinnen ausgeliefert; oder wie merleau-ponty es in der tradition der sensualisten des 17. jahrhunderts ausdrückte:

‚wir können die welt nur deshalb denken, weil wir sie zunächst erfahren.'(13)

oder etwas moderner: ‚bedeutung wurzelt im tun und tun ist von einer verkörperlichung abhängig. tatsächlich ist dies alles eine mühsam erworbene erkenntnis, die die gemeinschaft der forscher, die sich mit künstlicher intelligenz beschäftigten, nach einzigen mir bekannten autoren sind, die sich die mühe geben, das erleben der betroffenen aus der innenansicht zu beschreiben: wie fühlt sich eine person, die aufgrund einer beginnenden demenz bemerkt, dass ihr die geschichte dessen, was sie im leben gewesen ist, verloren geht.(16)

sicher können wir durch eine gute und ausreichende anamnese jene informationen einholen, die wir brauchen, um ein verständnis des erlebens und der erkrankung unserer klientInnen zu erhalten. was aber wäre, wenn wir eine landkarte entwickeln würden, die uns erlaubt, aufgrund unserer spezifischen empfindungen im (gegen-) übertragungsgeschehen rückschlüsse auf dessen psychosomatische beschwerden und hinweise für den umgang mit ebendiesen erhalten könnten?!

typische deformationen des beziehungsdialoges mit psychosomatisch erkrankten klientInnen

tauchen körpersymptome auf, wird der beziehungsdialog verändert. in manchen beziehungen treten die bedürfnisse des symptoms anstelle eines dialoges über die wechselseitigen empfindungen: „du musst dich jetzt zusammennehmen. wegen seinem bluthochdruck darf vati sich nicht mehr so aufregen!“; oder „halte dich heute zurück, mutti hat die ganze nacht wegen ihrer haut nicht schlafen können!“ in anderen beziehungen tritt der austausch über das symptom in den mittelpunkt des ganzen familiären dialoges. und andere bedürfnisse, wie jene nach nähe/kontakt oder nach abgrenzung und individuation finden keine berücksichtigung mehr. aspekte, die alexander mitscherlich bereits 1961 beschrieb! (17) betroffene mögen entdecken, dass sich familienmitglieder auf die eigenen bedürfnisse eher beziehen, wenn diese mit einem symptom verknüpft werden: so entdeckt klein-greta, dass die ungeliebte reise zu den freunden der eltern unterbrochen werden kann, weil sie mal ‚pipi machen‘ muss. wird die kombination zwischen miktionsverhalten und veränderung der familiären beschäftigungen häufiger auftreten, lernt klein-greta, dass sie mit ihrer blase einen einfluss zugunsten ihrer eigenen bedürfnisse nehmen kann; ein aspekt, der in der frauenärztlichen, psychosomatischen beratungspraxis berücksichtigung findet.(18)

fassen wir hier also zusammen, dass beziehungen mit psychosomatisch erkrankten personen ganz spezifische deformationen erleiden. hier seien dazu mehrere beispiele aus dem psychosomatischen praxisalltag genannt, wie sich für geübte behandlerInnen diese veränderungen des dialoges wahrnehmen lassen:

neurodermitis: sie haben einen speziellen geruch – meist etwas staubig, wenn sie nicht bereits starke medikamente nehmen; irgendwann fühlst du in ihrer nähe den impuls, dich zu kratzen; dann gibt es etwas auffälliges im kontakt s… eine ambivalenz zwischen dich zum berühren eingeladen-fühlen oder umgekehrt distanz zu bewahren. für die sensitiven unter uns behandlerInnen gibt es auch die besonderheit des empfindens der haut zu beschreiben: diese fühlt sich bei berührung wie taub an, nicht richtig geladen und reagiert nur verzögert auf unsere berührungen.

kopfschmerzen: du fühlst im kontakt eine schläfrigkeit/stumpfheit im augenausdruck; es mag dir eine spannung im nacken und im rückenbereich/am blasenmeridian entstehen; bei migräne- patientInnen magst du auch eindrückliche visuelle veränderungen erleben; du wunderst dich über den raschen, abrupten themenwechsel im gespräch. und es erscheint dir schwierig, die konzentration deiner/s gesprächspartnerIn vom schmerz weg, hin zu einem tieferen verständnis der abgewehrten emotionalen aspekte im kontakt zu bewegen.(19)

anorexie: sie wirken auf dich sehr bedürftig; vielleicht ist auch ihre magerheit bereits auffallend; es erscheint dir, als wollten sie auf keinen fall berührt werden; du merkst ihre unsicherheit gegenüber der ansprache von gefühlen und erschrickst über die heftigkeit, mit der sie beziehungsdynamiken bewerten; häufig in form vorweg genommener entwertungen von sich selbst/anderen; auch werten sie ihre geschlechtliche rolle stark ab; im gespräch verschwindet langsam dein gewahr-sein deines körpers; vielleicht fühlst du dich wie in einem taucheranzug.(20)

diabetes: du fühlst eine blockade in der gegenseitigen leiblichen pulsation; du findest eine härte gegen sich selbst/andere; früher oder später entsteht auch ärger im kontakt, den dein diabetisch erkranktes gegenüber als regressive neigung ausdrückt und auf versagte orale befriedigung beziehen wird, statt auf die qualität des kontaktes; selten habe ich solche rigidität im kontakt bemerkt, wie mit diesen patientInnen.(21)

asthma: das gefühl der anstrengung beim atmen überträgt sich; auch die atemfrequenz ist i.d.r. erhöht; bei übungen können sie sich nicht wirklich entspannen (sympathikotonie!); du spürst empfindungen von angst im raum, die aber nicht verbalisiert werden (können); ich empfinde häufig eine auffällige reduktion des atem- verständnisses auf das bloß physische (nicht-)funktionieren – die im atem angelegte bindungsdynamik wird rasch abgewehrt; ggf. anamnestisch bekannte schwierigkeiten bei der geburt abklären.

morbus chron/colitis: wir empfinden mitgefühl mit der körperlich- seelischen tiefe des schmerzes, wir fühlen uns von deren erlebenswelt angezogen und reagieren auf die verletzlichkeit/ zartheit deren erscheinens. wir arbeiten besonders langsam und vorsichtig und ringen mit der befürchtung, es könnte doch alles zu viel, zu doll und nicht zum rechten moment geschehen. man könnte das als ambivalenz empfinden, aber ich fühle viel stärker einen nicht verwundenen schmerz/verlust im kontakt.(22)

für die körperpsychotherapeutische behandlung kann dies eine erweiterung der diagnostik bedeuten: als behandelnde erlaubt uns das genaue wahrnehmen des übertragungsgeschehens ein feedback über die besonderheiten der psychosomatischen erkrankung unseres gegenübers.

diese wahrnehmungen in verbindung mit unserem wissen können der arbeit auch eine krankheitstypische richtung geben. so sehr wir einerseits offen zu bleiben haben, für die besonderheiten des menschen und seiner lebenserfahrung, die/der uns als klientIn aufsucht, so sehr können wir im sinne einer heilung zügig die vermuteten spezifischen seelischen bereiche unserer klientIn anhand der deformationen im beziehungsdialog ansteuern und gezielt wieder zu vervollständigen lernen. wir können landkarten darüber erstellen, was das besondere an jenem umweg im dialog darstellt, die dieser mensch vor uns erfährt. und mit hilfe dieser landkarten können wir im rahmen des übertragungsgeschehens gezielt und planvoll die vervollständigung des beziehungsdialoges betreiben.

was also ist jener konflikt, den die neurodermitisch erkrankte klientin auf dem wege des kratzens agiert, anstatt einen beziehungsdialog zu gestalten? welche spannung manifestiert sich wiederholt im kopfschmerz unseres patienten und wie könnte er dieser spannung in unserem dialog einen anderen ausdruck geben? wie könnte unsere klientin anstatt mit verdauungsproblemen in bedürftigkeit zu regredieren einüben, ihre unterschiedlichen emotionalen bedürfnisse zu unterscheiden und eine sprache im beziehungsdialog dafür entwickeln? fragen, die den körperpsycho- therapeutischen dialog bereichern.

therapeutische neutralität verhindert die vervollständigung des beziehungsdialoges

doch bis hierhin würden wir noch immer fokussiert bleiben auf den dialog zwischen klientIn und therapeutIn; inklusive jener haltung, die besagt, dass einer von beiden die beziehung formt und entwickelt. im sinne des therapeutischen auftrages; wenn es gut geht. wir würden einräumen, dass nach dem bekanntwerden der spiegel-nervenzellen durch giacomo rizzolati (23) der dialog weniger einseitig geworden ist. es ist heute nicht mehr wie zu freuds zeiten, als blanche wittmans hysterien behandelt wurden, ohne über die rolle der neugierig erregten doktoren im raum besonders nachzudenken. heute wissen wir, dass unsere haltung und unser verhalten sich ganz wesentlich auf die gestaltung der therapeutischen beziehung auswirken. wir wissen, dass der versuch der therapeutischen neutralität das lernen in dieser beziehung erschwert und dass es im gegenteil wichtig für eine genesung unserer klientInnen geworden ist, die deformation und unvollständigkeit des beziehungsdialoges wieder herzustellen.

verfolgt man den offiziellen europäischen diskurs zu diesen fragen weiter, so finden wir weitere berichte: ob in stanley kelemanns ‚körperlicher dialog in der therapeutischen beziehung'(24), immer wieder stoßen wir auf erstaunliche berichte von kollegInnen, die beschreiben, dass etwas umfassendes, quasi im beziehungsfeld befindliches sie und ihr verhalten aufgeträumt habe: nehmen wir ein beispiel von einer körperpsychotherapeutischen fachtagung, die 2007 an der freien universität berlin stattgefunden hat. peter heinl beschreibt in seinem fallbeispiel, wie er ausgehend von der erzählung einer klientin ‚ohne den grund für mein weiteres vorgehen zu wissen‘ drei gegenstände auf den praxisfußboden legte: ein koalabärchen, ein weißes taschentuch und einen schweren handgeschmiedeten schlüssel.

auf nachfragen assoziierte nun die klientIn mit dem koalabärchen sich selbst als säugling, mit dem taschentuch windeln und zusätzlich fantasierte sie zu dem holzfußboden jene hölzernen dielen, auf dem sie in ihrem kinderbettchen liegend die geräusche von schritten hören könnte, wenn sich ihr jemand näherte. mit dem schlüssel konnte sie zunächst nichts anfangen. erst als heinl den schlüssel scheinbar belanglos mit den füßen auf dem boden bewegte, entfuhr der klientIn ein plötzlicher schrei und sie erinnerte eine eindrückliche szene aus ihrer kindheit, in der sie ein blutverschmiertes tüchlein im ofen verschwinden sah und den sich abwendenden vater. in einem jahrelangen therapieprozess hatte die klientin zunächst aspekte eines sexuellen missbrauchs erinnert und nun, in dieser szene ließen sich alle einzelaspekte zu einem gesamtgeschehen zusammenfügen.(25)

man könnte meinen, dass dem ganzen doch eine künstliche situation anhaftet: wann haben wir schon einen koalabären und einen schweren schlüssel zufällig zur hand? oder zumindest, dass kollege heinl hier im rahmen eines intensivseminars zufällig die ernte monatelanger, frustrierender detailarbeiten einer/s kollegIn einfährt. das mag auch stimmen und gleichzeitig kennen längerpraktizierende doch diese situationen im therapeutischen alltag: wo wir plötzlich dinge tun oder sagen, bei denen wir uns später nach gründlichem nachdenken fragen, wie wir darauf gekommen sein mögen. es gab beispielsweise nur dieses kleine, zufällige knarzen der sitzgelegenheit, dass in einer therapiestunde solch‘ weitreichende wirkung auf das unbewusste der klientIn hatte; jenes detail der kleidung, dass die klientIn an ihren vater, der von beruf pastor war, erinnerte und ein tor zu vielen erinnerungen aufstieß.

wir betreten also einen bereich der therapeutischen beziehung, in dem weder die/der klientIn aktiv projizieren, noch der/die therapeutIn gezielt mit gegenübertragungstechniken arbeitet (denn dann könnten wir beschreiben, mit welcher intention wir welches verhalten unternommen hätten). vielmehr scheinen sich beide in einer art trancezustand zu befinden.

so wie kollegInnen früher glaubten, einen scheinbar objektiven beobachterstatus beschreibbarer psychischer erkrankungen einnehmen zu können, so mussten wir lernen, dass wir teil eines dialoges sind, der zu einem teilaspekt durch unser verhalten und unsere eigenen auslassungen im kontakt mitbestimmt wird. wir wurden in unserem verhalten vollständiger und nun müssen wir uns offensichtlich damit auseinandersetzen, dass es wirklichkeiten gibt, die ihrerseits unser handeln und das unserer klientInnen beeinflussen, ohne dass wir diese choreographieren könnten. eine beunruhigende situation, die uns die gewissheit nimmt, zu wissen, wer wir sind und was wir in der psychotherapie eigentlich tun.

arnold mindell, seines zeichens physiker und jungscher analytiker, nähert sich mit naturwissenschaftlichen erklärungen diesem phänomen in seinem buch: ‚der verborgene code des bewusstseins‘. er schreibt: ‚was immer sie in der konsensusrealität beobachten – sei es ein elektron, ein tier, das universum oder eine andere person – ,wird im bereich des träumens zu etwas von ihnen untrennbaren. in der konsensusrealität kann man nicht sagen, wo der quantenflirt entstand – ob in ihnen oder in mir. die ununterscheidbarkeit erscheint in der mathematik der physik als symmetrie (…) in der nicht-konsensus-realität könnte das, was wir DU nennen, ebenso gut ICH genannt werden.'(26)

nun werden einige kollegInnen meinen, dass das doch bekannte übertragungsphänomene bei niedrig strukturierten klientInnen mit schwachen ich-grenzen seien. vielleicht. vielleicht aber weist uns mindell auf etwas viel tiefgehenderes hin und unser erschrecken darüber verhindert unser erkennen. so wie es den entdeckern der quantenphysikalischen grundlagen in den 20er jahren des letzten jahrhunderts erging: wir befinden uns mit unserer wahrnehmung in einem kokon. erinnern wir uns an merlot-pointys aussage weiter oben in diesem text. erinnern wir uns also an die notwendigkeit, immer wieder unser eigenes befinden an den anfang unserer wahrnehmungen im therapeutischen dialog stellen zu müssen. ohne zweifel ist es wichtig, die einschränkungen der eigenen wahrnehmungsmöglichkeiten im rahmen unserer lehranalyse genauer zu erkunden und zu erweitern zu versuchen. ebenso, wie es wichtig ist, unsere eigenen wahrnehmungen unser berufsleben lang supervisorischem feedback auszusetzen. und trotz all dieser bemühungen scheint es noch etwas weitergehenderes in der therapeutischen beziehung zu geben.

andere kollegInnen werden auf die pränatalen matrixen verweisen, wie stanislaf grof sie uns in seinem werk ‚topographie des unbewussten‘ übermittelt hat.(27) sicher müssen wir uns damit beschäftigen, ob sich der uns öffnende erfahrungsraum möglicherweise aus einer regression in vorsprachliche, ja vorgeburtliche erlebensweisen der klientInnen erklären ließe. vielleicht. wir haben uns zu fragen, ob wir mit einer situation, die ken wilber die prä-/trans-verwechslung nennt, zu tun haben.(28): d.h. ob wir möglicherweise den regressiven zustand der erlebens im mutterbauch (= prä-rational) verwechseln mit dem kontakt der person zu einem post-rationalen, weitgehenden kontakt zu einem ‚umfassend unbekannten‘.(29) wir können uns vor der therapie informationen über die erlebniswelt der klientInnen einholen, um den kontext der übertragungserfahrungen definieren zu können und bleiben notwendig diesem unbekannten ausgeliefert. wir können uns dem größenwahn hingeben, alle hintergründe der klientInnen genau zu kennen, oder dem zwang erliegen, alle therapieerfahrung im kontrollierbaren halten zu wollen. es mag sein, dass wir angst vor dem großen, weiten unbekannten empfinden; und auch unsere kindliche befürchtung vor dem überwältigt-werden durch die gefühle erwachsener mag auf dieser ebene eine rolle spielen. und es bleibt, dass wir den neuen, aus der quantenphysik kommenden interpretationen des übertragungsgeschehens einen raum geben können: wir sind gemeinsam mit unseren klientInnen teil einer wirklichkeit, die auf uns wirkt. und wir können nicht ausschließen: psychosomatische symptome könnten auch ‚bewusstseinskräfte von wesen aus parallelen welten sein, die uns auf die nächsten schritte unserer menschlichen evolution hinweisen.'(30) er schreibt das als physiker und er fordert uns damit auch auf, die psychotischen interpretationen der wirklichkeit betroffener klientInnen von jenen, deren symptome ein gewisses genie zur korrektur von lebenserfahrungen beinhalten, unterscheiden zu lernen.

literaturhinweise

  • (1) aus: möller, laux, deister (hrsg.); psychiatrie; stuttgart 1996; s. 220; gemälde von 1887
  • (2) reinhold dörrzapf; eros, ehe, hosenteufel; münchen 1998; s. 298ff
  • (3) book of the questions; in: the story of blanche and marie; london 2006
  • (4) asaf rolef ben-shahar; in: psychotherapy and politics international 8; 3: 213-226; 2010
  • (5) wenn ich im folgenden von ‚wir‘ und ‚uns‘ spreche, so verwende ich diesen begriff in diesem artikel undifferenziert als sprachliches mittel, um eine einnehmende, identifikation auslösende haltung bei jenen leserInnen auszulösen, die selbst im bereich der körperpsychotherapie mit berührungen arbeiten.
  • (6) anton eckert; in: postural integration; eine methode ganzheitlicher körperarbeit; berlin 1992; s. 9
  • (7) sigmund freud; an autobiographical study; london 1959; pp.1-74; sinngemäße übersetzung durch den autor
  • (8) bioenergetik; münchen 1975; s. 12
  • (9) karl heinz brisch; bindungsstörungen; stuttgart 1999; s. 30 
  • (10) karl heinz brisch; a.a.o; s. 35ff
  • (11) karl heinz brisch; a.a.o; s. 44ff
  • (12) die lebenserfahrung des säuglings; stuttgart 1998
  • (13) merleau-ponty; das primat der wahrnehmung; frankfurt/main 2003; s. 34
  • (14) sandra & matthew blakeslee; der geist im körper; heidelberg 2009; s. 13
  • (15) irren ist menschlich, bonn 1996
  • (16) dörner/plog; a.a.o.; kapitel ‚landschaft ohne boden‘; s. 245f
  • (17) in: psyche; band 15/1; die chronifizierung psychosomatischen geschehens; s. 1-25
  • (18) thure von uexhüll; psychosomatische medizin; münchen 1996; s. 1061f
  • (19) isabell azoulay; schmerz – die entzauberung eines mythos; berlin 2000
  • (20) gerd rudolf; psychotherapeutische medizin und psychosomatik; stuttgart 2000; s. 252
  • (21) thure von uexhüll; a.a.o.; s. 909 (22) thure von uexhüll; a.a.o.; s. 841
  • (23) premotor cortex and the recognition of motor actions; cognitive brain research 3: 131-141; 1996; in: joachim bauer; das gedächtnis des körpers; frankfurt/main 2002; s. 12
  • (24) münchen 1990; s. 146ff; oder in tor norretranders ’spüre die welt‘, reinbek 1994; s. 18ff
  • (25) manfred thielen (hrsg.); körper-gefühl-denken; körperpsycho- therapie und selbstregulation; gießen 2009; s. 387ff
  • (26) petersberg 2010; s. 481ff
  • (27) stuttgart 2002; s. 124f
  • (28) eros, kosmos, logos; a.a.o.; s. 259
  • (29) bernhard schlage; leben in der traumhütte – schamanische traumarbeit zwischen wunscherfüllung und spionagetätigkeit; hannover 2010; s. 74ff
  • (30) in: arnold mindell; quantengeist und heilung; petersberg 2006; s. 66ff

die vollversion des artikels mit dem untertitel „gegenübertragung und psychosomatik“ über spezielle übertragungsfelder bei psychosomatischen erkrankungen. „blanche wittmanns busen und ärtzlicher bluthochdruck“ erscheint in der zeitschrift energie & charakter nr.35; CH-bühler; s.67-77. 

ungewöhnliches aus transdanubien

foto an der donau     radreise zum donaudelta

reisebericht von einer fahrradreise entlang der donau bis zum donaudelta am scharzen meer.
-> zur onlinepublikation bei launer-reisen
-> infos über organisierte radwanderungen: launer-reisen

weitere infos über das radeln an der donau:

geschichte der donau: phoenix feature 43.min
https://www.youtube.com/watch?v=-BHTQbWwufE

donauradweg 5: serbien, bulgarien, rumänien
https://www.youtube.com/watch?v=rHgoINNK7b4

donauradweg 4: von budapest zum eisernen tor
https://www.youtube.com/watch?v=-vlO1BF1NTI

* artikel: leben und sterben am fluss (pdf)
* artikel: ungewöhnliches aus transdanubien (pdf) 

traum am goldenen berg

buchcover «traum am goldenen berg»

ein bericht über eine spirituelle reise in die goldenen berge des sibirischen altai; hrsg. gemeinsam mit renate höfle; mit vielen fotos und geschichten und gedichten von 13 mitreisenden geschrieben und einem geleitwort von cambra skadè.
zu bestellen zum preis von 12€ plus versand direkt bei mir: post@bernhardschlage.de

dieses buch kann online im buchshop bestellt werden.

über den raum des träumens

ein artikel darüber, wie unsere träume physikalische modelle von raum und zeit wiederspiegeln können; publikation in der verbandszeitschrift der DGAM, ausgabe 4/2010

leben in der traumhütte – über schamanische traumarbeit

mit dem untertitel: „schamanische traumarbeit zwischen wunscherfüllung und spionagetätigkeit“; ein manuskript zu ergebnissen einer über sieben jahre währenden studie über schamanische traumarbeit; kann beim autor gegen einsendung von 16,50 € bestellt werden (ISBN 978-3-00-030581-8) . die zweite auflage enthält das vorwort „der träumer des träumens“ von carlo zumstein, dem gründer und leiter der TAOB Foundation.
* artikel: buchbesprechung zu „leben in der traumhütte“ (pdf)
* vorwort zum buch: leben in der traumhütte von carlo zumstein (pdf)

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